24.12.2017 – Stille Nacht

 

 

 

Es begab sich aber zu der Zeit, dass alle Welt geschätzt wurde. Auch Horst aus München machte sich auf, zu der Hauptstadt der Steuerschätzung. Mit Mutti, seinem angetrauten Weibe. Und sie gebar ihm einen Sohn. In den Tönen schwarz, gelb, grün. Doch Horst war schon das Orange ihrer Tunika zuwider; er wollte mit solchen Farben nichts zu tun haben. Mutti fluchte kurz – und legte das Kind in eine Krippe.

 

In derselben Gegend waren damals Hirten auf dem Felde. Die hüteten des Nachts ihre Herde. Und ein Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude. Denn Euch ist heute in Großostheim ein Heyland geboren, der eine berühmte Brauerei begründen wird. Und er ist Eure neue Regierung. Ihr werdet ihn finden in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und Friede auf Erden den Menschen.

 

Und sie kamen eilends und fanden beide in dem Stalle: Die Mutti und Horst, dazu das Kind in der Krippe. An der Tür erkannten sie schemenhaft eine schwarze Weihnachtsfrau und einen roten Weihnachtsmann. Aber erst am siebenten Januar, wenn die drei Könige vorüber waren, wie geschrieben stand, sollten schwarz und rot ins Rampenlicht treten. Ihre Zeit war noch nicht gekommen.

 

Denn noch winkten von einem Balkon die drei Könige aus Jamaika. Ein Schwarzer war unter ihnen mit scharfem, konservativem Profil. Hinter ihm lachend der Gelbe mit der großen Klappe. Der Dritte war ganz grün im Gesicht – wohl eine Folge der ökologischen Dynamik. Sie setzten Duftmarken aus Weihrauch und Myrrhe. Versprachen auch Gold. Aber das verschreckte ihre Anhänger, die voller Scham das Antlitz verhüllten. Dabei hätte der Heyland gerne ein Pils mit den Dreien getrunken. Doch zunächst musste dies alles geschehen, damit sich das Propheten-Wort erfüllte, die Zeit der Schwampel sei noch nicht gekommen.

 

Mutti hatte indes die Augen gesenkt. Und die Mundwinkel auch. Es war eine stille Nacht. Fast unhörbar fragte Horst nach einer Alternative für Deutschland. „Es gibt keine“, Mutti öffnete die Augen, die zu strahlen begannen, „unser Christkind ist alternativlos.“

 

 

 

Diese Glosse wurde ermöglicht durch die Traditions-Brauerei Eder & Heylands Großostheim.

 

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