Missklänge – 26. Januar 2018

 

Bundestrojaner

 

Ich habe jetzt einen Bundestrojaner. Im Auftrag des Ministers für die Innere Sicherheit schnüffelt er auf meiner Festplatte herum und wacht über meine Wege ins Netz. Mein einziges Problem ist der Name. In dem sagenumwobenen Pferd versteckten sich nämlich gar keine Trojaner, sondern Griechen.

Aber die armen Griechen haben unter den Euro-politischen Sparmaßnahmen schon genug zu leiden. Deshalb will ich sie nicht auch noch animieren, sich den Schweinkram der Internet-Nutzer anzuschauen. Troja liegt übrigens in der heutigen Türkei. Doch die Türken sollen sich ja um die Flüchtlinge kümmern. Also bleibt es beim Trojaner.

Wie man hört, ist ein Großteil der Informatiker weltweit mit nichts anderem mehr beschäftigt, als Schadsoftware zu entwickeln. Viren, Würmer, Spähprogramme. Und natürlich die entsprechende Schutz-Software. Die NSA legt für Schadsoftware zehn Milliarden Dollar im Jahr auf den Tisch. Bei den Chinesen und Russen wird es nicht anders sein.

So kurbele ich also die Wirtschaft an. Außerdem leiste ich mir ein sauberes Gewissen. Dem Angebot des Ministeriums habe ich sofort zugestimmt. Alle installierten Programme haben bei mir eine gültige Lizenz. Und ich würde niemals Musik oder Filme herunterladen, ohne die Erlaubnis des Seitenbetreibers einzuholen.

Nützliche Mitglieder der Gesellschaft haben nichts zu verbergen. Deshalb habe ich jetzt auch die Kameras bestellt, die über den hauseigenen Rechner an das Internet angeschlossen werden. Für jeden Raum eine. Mit Restlichtverstärker. Terroristen werden sich in Zukunft bei mir nicht mehr wohlfühlen.

Nicht einmal auf der Toilette oder im Bad können sie Anschläge ausbrüten. Tag und Nacht registriert das Auge des Gesetzes auch die kleinste Bewegung. Im Flur hängt seit heute ein Hinweis: Wer diese Wohnung betritt, verpflichtet sich, kein Attentat vorzubereiten. Maschinenwaffen und Sprenggürtel sind im Flur zu deponieren.

Dabei hatte ich im vergangenen Jahr noch darüber nachgedacht, wie unsere Nachbarin, alle Wände durch Glasscheiben zu ersetzen. Doch dann kam das Angebot für die neuen Kameras. Und die Elektronik gestattet jetzt noch ganz andere Einblicke: Jede Kamera ist schwenkbar und vorne befindet sich eine fernsteuerbare Gummilinse.

Deshalb finde ich heute die Glaswände unserer Nachbarin ausgesprochen rückständig. Trotzdem habe ich mir jetzt eines von den neuen Nachtsichtgeräten geleistet: So ganz ohne Multimedia aus zwei Metern Entfernung zu beobachten was sie im Bett mit ihrem Besucher so treibt – das hat etwas herrlich Nostalgisches.


© 2016 by Marc Mandel.*

* Am 26.01.2018 meldete das Recherche-Netzwerk von NDR, WDR und ‚SZ‘, dass das BKA einen neuen Trojaner nutzt. Aus diesem Anlass habe ich mich entschlossen, die obige Glosse vom 23.2.2016 unverändert zu publizieren.

 

Hier sind weitere zeitkritische Glossen zu finden.

Wer mich ganz schnell erreichen will, schreibt mir eine E-Mail.

 

Let's make the world a better place! Gegen Rassismus - gegen Gewalt. #Ausnahmslos.

 

Machen! Silben, Sätze, Sensationen. Marc Mandels minimalistischer Merkratgeber für moderne Manuskriptmacher. Verl: chiliverlag 17. März 2016.

 

Die Sammlung 'Morden' enthält 19 eher satirische Kurzkrimis. Sie verführen zum Selberdenken.

Verl: chiliverlag Juni 2014.

Wer sich für eine meiner Lesungen oder Performances interessiert, klickt hier.

Bücher des Erzählers Marc Mandel erscheinen im chiliverlag. Näheres findet man hier.

Auf den Seiten Mädchenlieder, Geschichten, Mandelsplitter und Gedichte finden Sie Texte, die ich kürzlich geschrieben habe. 

Keine Lesung mehr verpassen - folge mir auf Twitter:

Zu meiner Autorenseite bei Amazon klickst Du hier.

Für das Krone-Slam-Team haben wir

von 2012 bis 2015

die Öffentlichkeitsarbeit übernommen und die Web-Page erstellt.

Bilder für Publikationszwecke in hoher Auflösung können hier unter dem Impressum heruntergeladen werden.

Hier finden Sie Informationen über die Literaturgruppe Poseidon.

Die Webpräsenz der Blinden- und Sehbehinderten-Autorengruppe BLAutor findet man hier.

Finde mich bei Facebook

Erinnerungen an die Weyrauch-Revue im Künstlerkeller sieht man hier.

Hier geht es zu einer Homepage, die wir gestaltet haben und hier geht es zur Web-Präsenz der Fotografin Ellen Eckhardt.

 

"You may say that I'm a dreamer, but I'm not the only one.

 

I hope someday you'll join us and the world will live as one."

 

(John Lennon)